WEG-GEDICHTE UND SONGTEXTE VON A-Z
- Bob Dylan: Ich bin's nicht, Babe!
- J. W. Goethe: Osterspaziergang
- J. W. Goethe: Vanitas, Vanitum, Vanitas!
- William Blake: Der Garten der Liebe
ICH BIN'S NICHT, BABE
frei nach Bob Dylan:
It ain't me Babe
Geh ein Stück vom Fenster,
bleib beim selbst gewählten Tritt.
Ich bin's nicht, den du suchst, Kind.
Ich muss nicht mit dir mit.
Du sagst, du brauchst so einen Mann,
der stark ist und niemals schwach,
der dich verteidigt und beschützt,
wenn du recht hast und danach,
ein Mann für dich, der öffnet jede Tür.
Refr:
Doch ich bin's nicht, Kind, nein, nein, nein,
Ich bin's nicht, Kind.
Ich bin nicht, der, den Du suchst, Kind.
Herunter von dem Fenster, Kind,
verschwinde aus dem Haus.
Ich bin's nicht den du suchst, Kind,
und ich lass dich lieber raus.
Du sagst, du suchst so einen Mann,
der dir verpricht, dass er nie geht,
Der nur nach dir noch weiter sieht,
an deinem Herzen klebt.'Ein Mann,
der für dich sterben will und mehr.
Refr:
Doch ich bin's nicht, Kind, nein, nein, nein,
Ich bin's nicht, Kind,
Ich bin nicht, der, den Du suchst, Kind.
Verschwinde wieder in Nacht, Kind.
Alles in dir ist gemacht aus Stein.
Da ist nichts, was mich berührt,
und ich bin auch nicht allein.
Du sagst, du suchst dir einen Mann,
der dich aufhebt nach jedem Fall,
der ständig dir Blumen kauft
der kommt auf Ruf überall.
Ein Lover für dein Leben, nichts mehr.
Refr:
Doch ich bin's nicht, Kind, nein, nein, nein,
Ich bin's nicht, Kind.
Ich bin nicht, der, den Du dir suchst, Kind.
Übersetzt von Hans - Georg Kaiser
Original:
Bob Dylan
It ain't me, Babe
Go 'way from my window,
Leave at your own chosen speed.
I'm not the one you want, babe,
I'm not the one you need.
You say you're lookin' for someone
Never weak but always strong,
To protect you an' defend you
Whether you are right or wrong,
Someone to open each and every door,
But it ain't me, babe,
No, no, no, it ain't me, babe,
It ain't me you're lookin' for, babe.
Go lightly from the ledge, babe,
Go lightly on the ground.
I'm not the one you want, babe,
I will only let you down.
You say you're lookin' for someone
Who will promise never to part,
Someone to close his eyes for you,
Someone to close his heart,
Someone who will die for you an' more,
But it ain't me, babe,
No, no, no, it ain't me, babe,
It ain't me you're lookin' for, babe.
Go melt back into the night, babe,
Everything inside is made of stone.
There's nothing in here moving
An' anyway I'm not alone.
You say you're looking for someone
Who'll pick you up each time you fall,
To gather flowers constantly
An' to come each time you call,
A lover for your life an' nothing more,
But it ain't me, babe,
No, no, no, it ain't me, babe,
It ain't me you're lookin' for, babe.
Johann Wolfgang von Goethe
OSTERSPAZIERGANG
Vor dem Tor
Vom Eise befreit sind Strom und BächeDurch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
(Johann Wolfgang von Goethe, Faust I)
Johann Wolfgang von Goethe
VANITAS VANITUM VANITAS!
Ich hab' mein Sach auf Nichts gestellt,Juchhe!
Drum ist's so wohl mir in der Welt;
Juchhe!
Und wer will mein Camerade sein,
Der stoße mit an, der stimme mit ein,
Bei dieser Neige Wein.
Ich stellt' mein Sach auf Geld und Gut,
Juchhe!
Darüber verlor ich Freud' und Muth:
O weh!
Die Münze rollte hier und dort,
Und hascht ich sie an einem Ort,
Am andern war sie fort!
Auf Weiber stellt' ich nun mein Sach,
Juchhe!
Daher mir kam viel Ungemach;
O weh!
Die Falsche sucht' sich ein ander Theil,
Die Treue macht' mir Langeweil',
Die Beste war nicht feil.
Ich stellt' mein Sach auf Reis' und Fahrt,
Juchhe!
Und ließ meine Vaterlandesart;
O weh!
Und mir behagt' es nirgends recht,
Die Kost war fremd, das Bett war schlecht
Niemand verstand mich recht.
Ich stellt' mein Sach auf Ruhm und Ehr,
Juchhe!
Und sieh! gleich hatt' ein Andrer mehr;
O weh!
Wie ich mich hatt' hervorgethan,
Da sahen die Leute scheel mich an,
Hatte Keinem recht gethan.
Ich setzt' mein Sach auf Kampf und Krieg,
Juchhe!
Und uns gelang so mancher Sieg;
Juchhe!
Wir zogen in Feindes Land hinein,
Dem Freunde sollt's nicht viel besser sein,
Und ich verlor ein Bein.
Nun hab' ich mein Sach auf Nichts gestellt,
Juchhe!
Und mein gehört die ganze Welt;
Juchhe!
Zu Ende geht nun Sang und Schmaus.
Nur trinkt mir alle Neigen aus;
Die letzte muß heraus!
William Blake
THE GARDEN OF LOVE
I went to the Garden of Love,
And I saw what I never had seen:
A Chapel was built in the midst,
Where I used to play on the green.
And the gates of this Chapel were shut,
And „Thou shalt not“ writ over the door;
So I turn' d to the Garden of Love,
That so many sweet flowers bore;
And I saw it was filled with graves,
And tomb-stones where flowers should be;
And Priests in black gowns, were walking their rounds,
And binding with briars, my joys & desires.
Songs of Experience (1794)
Wilhelm Blake
DER GARTEN DER LIEBE
Ich ging in den Garten der LiebeUnd sah, was ich nie so geschaut.
Wo ich pflegte im Grünen zu spielen,
War ein Bethaus inmitten erbaut.
Und die Pforten waren gechlosssen
Und „Du sollst nicht“, stand über dem Tor.
So sah ich zum Garten der Liebe,
Der trug soviel Blumen zuvor.
Und ich sah ihn belegt von Gräbern,
Statt Blumen gab's Grabsteine nur.
Und Priester in Scharen in schwarzen Talaren
Mit Dornbusch bezwangen mein Glück und Verlangen.
Übersetzer: Hans - Georg Kaiser
