HANS-GEORG KAISER
REIMGEDICHTE
A
- Abschied
- Advent
- Affenschande
- Alle diese toten Seelen
- Alles liest
- Alles, nur keine Poeten
- Alle wollen Märchenland
- Alpträume
- Amouröses Frühstück
- Am Rande des Pornowaldes
- An den Gott der Bürokratie
- An die Unendlichkeit
- An die Verleumder
- An eine Rebellin
- Anstrengender Konjucktiv
- Armer Poet
- Ars Poetica
- Asylbewerber
- Atlantis
- Auf dem Hoelzweg
- Auf dein Wohl, Alkohol
- Auf zum Lindenhof
- Auf zum scheuen Sale
- Ausländer
- Ausverkauf Amerikas
- Autobahnunfall
Abschied
1Der Aufbruch in die Einsamkeit,
ein Mann am Tisch sitzt stumm.
Er leert sein Glas mit Bitterkeit.
Verloren ist die Heiterkeit.
Das Weinglas stürzt ihm um.
Wie oft er schon zerstritten war,
mit keiner Hoffnung mehr.
Das wird ihm jetzt erst richtig klar.
Sie war sein Traum aus einer Bar.
Sie kam so leicht daher.
2
Sie steht auf einem Fels am Strand,
als wär' sie selbst aus Stein.
Sie hält den Strohhut in der Hand.
Gedanken formen eine Wand
und stürmen auf sie ein.
Warum hat er sie so betört,
wenn er dann vor ihr flieht?
Sie ist verzweifelt und empört,
sie wirkt zerbrechlich und verstört,
denn sie war so verliebt.
Sie hört die Möwen, einen Schrei.
Es rauscht so wild ihr Blut.
Es schwindelt ihr, ist' s gleich vorbei?
Es rast ihr Herz so wie für zwei,
und unten stürmt die Flut.

Advent
nimmt Advent schon seinen Lauf.
Wo sich Pyramiden drehen,
leben Weihnachtsmärchen auf.
Wenn Adventsgestecke duften
auf dem Kaffeesonntagstisch
und die Leute nicht mehr schuften,
wird man plötzlich träumerisch.
Wenn wir uns nicht nur beklagen
und nicht flüchten sehr weit fort,
dann belebt an Weihnachtstagen
Sinnenfreude jedes Wort.
Diese Freude, just die heute,
macht uns selig, leicht und rein.
Fein Gebacknes und Geläute
zieht in offne Herzen ein.
Wenn wir Weihnachtslieder singen,
Chöre hören, Mozart, Bach,
wenn die Hallelujas klingen,
werden wir erst richtig wach.
Wenn die Engelsaugen leuchten
goldbarock im hellen Schein
und wir uns nicht selbst nur täuschten,
zieht der Frieden in uns ein.

Affenschande
Gelobt sei der Affe, das Ahnentier.
Ich kann meine Herkunft ertragen.Wenn ich bedenke, was nach ihm kam,
dann stellen sich peinliche Fragen.
August 94
Alle
diese toten Seelen
können mir das Herz nicht wärmen,
die stets feige und verlassen
für das Glück der Herren schwärmen.
Lobbyisten-Volkszertreter,
die auf jede Fahne schwören,
die schon froh sind, wenn sie dürfen
und die Leute sie nicht stören.
Jene miesen Glücksverdreher,
die laut lachen und nichts wissen,
die im Kriechgang sich bewegen
und sich fürchten vorm Gewissen.
Alle diese Rattenfänger
auf den Plätzen und Basaren
die im Fernsehen, die von gestern,
die als Kind schon Greise waren.
Alle diese toten Seelen,
die die ganze Welt veröden
und, weil sie nichts ändern dürfen,
sich und alle mit verblöden.
Alles liest
Als wär' das immer so gewesen.
Die Alten lesen voller Wonne,
Der Knabe in der Apfeltonne.
Es lesen Eulen und Kaplane,
Die Jungfrau auf der Ottomane.
Es lesen Mörder, Beichter, Beter
Und Bademeister, manchmal Väter.
Es lesen Raben und Gelehrte.
Es liest der Jäger seine Fährte.
Man kann sogar Kartoffeln lesen
Und Weine so wie Lutherthesen.
Es liest die Traumfrau gern am Strande.
Kartoffeln liest man auf dem Lande.
Es lesen Päpste und Magnaten
Und Gangster gar und Potentaten.
Maria und die Griechen lesen,
Zensoren und der Mann am Tresen.
Es liest die Welt viel schöne Worte.
Es liest die Vorschrift die Eskorte.
Es lesen Mäuse Manuskripte,
Der Bauer liest, die Ausgeflippte.
Der Mozart konnte Noten lesen.
Die Brockenhexe auf dem Besen.
Was ist bloß dran am vielen Lesen?
Es sei Vergnügen stets gewesen!
Es kommt auch vor, dass Leser schlafen,
Die auf die falschen Bücher trafen.
Die Mütter und die Hände lesen,
Die Rabbis und die Zauberwesen.
Verliebte lesen im Holunder.
Das Lesen ist und bleibt ein Wunder.
Dass Leser immer klüger werden,
das ist der grösste Fluch auf Erden.
So sagen, die es, die es nicht wollen,
dass alle Menschen lesen sollen.
Alles, nur keinen Poeten!
"Du brave gute liebe Anne,du suchst noch jetzt nach einem Manne?
Nimm doch den langen Friederich,
der ist wie'n Rettich scharf auf dich."
"Den Friederich mir her zu nehmen,
kann ich mich leider nicht bequemen.
Der Kerl ist viel zu blöd für mich
und auch noch schrecklich liederlich."
"Du liebe feine zarte Anne,
dann nimm doch Heinz zu deinem Manne.
Du weisst, er liebte stets nur dich,
und wenn es schnell ging, auf dem Tisch!"
Da sagt die feine kluge Anne
nach einer kurzen Grübelspanne:
"Du dummer Hund, den man verdrischt!
Poeten?! Das geht wirklich nicht!"

Alle wollen Märchenwald
Alle wollen Märchenwald,doch da draussen ist es kalt.
Weil die meisten sich so zieren,
müssen Obdachlose frieren.
Manche macht man wahrhaft kalt,
kippt sie aus im Winterwald.
Weil sie nicht von selbst krepieren,
sich nicht betten zu den Tieren.
Städter wollen Märchenwald.
Doch im Lande bleibt es kalt.
Menschen gibt es, die erfrieren,
während wir uns amüsieren.
Alpträume
In meinem Alptraum Nummer eins
in einer Seifenkiste,
da fuhr ich für den Cirkus Heinz
als Zwerg durch die Gerüste.
In meinem Alptraum Nummer zwei,
da war ich Kanzler Merkel,
Herr Schröder kam (Tandaradei!)
und quickte wie ein Ferkel.
In meinem Alptraum Nummer drei
da war ich Pekinese,
man schenkte mir nur Cherry ein
mit reichlich Mayonnaise.
In meinem Alptraum Nummer vier,
da war ich Harry Schrotter.
Da schrieb ich nur aus reiner Gier
Romane für den Potter.
In meinem Alptraum Nummer fünf,
bedroht mich eine Lampe.
Ein Tier auf meinem Busen rief:
du gottverdammte Schlampe!
In meinen Alptraum Nummer sechs,
da war ich Käferschüler,
man strafte mich für freien Sex
mit einem Horn als Fühler.
In meinen Alptraum Nummer sieben,
da schrie ich: Wotan weiche!
Dann bin ich ganz allein geblieben
und wurde Kriegerleiche.
In meinem Alptraum Nummer acht
da war ich Badefliese.
Ich knallte hin mit großen Krach
vor meine eig'nen Füsse.
In meinem Alptraum Nummer neun
da war ich Wollustknabe,
ich konnte mich jedoch nicht rühr'n
und lag wie tot im Grabe.
An meinem Alptraum Nummer zehn
kann ich mich nicht entsinnen.
Ich hing am Kreuz im elften drin,
als Beute für drei Spinnen.
jagten mich Ypsilone;
ich war der Frühstückskandidat
in ihrer Todeszone.
Amouröses Frühstück
Auf einen Plausch nur kam er hereinund schenkte brav ihr Kaffee ein.
Dann gab's ein Küsschen für den Knaben.
Er schnurrte nur: „So will ich's haben.“
Sie sagte ihm lächelnd nebenbei,
dass da noch Platz im Bette sei.
Das ließ er sich nicht zweimal sagen,
so dass sie bald zusammmen lagen.
Der Kaffee war schnell ausgetrunken,
und sie im Kissen tief versunken.
So dass er schnell sich auf sie legte
und sie mit sehr viel Schwung bewegte.
Sie schien das ziemlich gut zu finden
und musste sich vor Lachen winden.
Dann war sie Hexe auf dem Besen
Sie fand die Stellung auserlesen.
Er rollte heftig mit den Augen
und fühlte ihre Lippen saugen.
Sie liebten beide sich verwegen,
der Zufall kam hier sehr gelegen.
Er konnte nicht an and'res denken,
um sich dabei nicht zu verrenken.
Als sie sich schließlich fallen ließen,
da lag er ihr schon zu den Füßen.
Sie sprach von einem Wiedersehen,
und gab ihm damit zu verstehen,
Sie sei ihm weiterhin zu Willen,
um ihren Lust mit List zu stillen.
Am Randes des Pornowaldes
Es war an einem Tag im Mai.Sie war so frei, mit Mann dabei.
Sie legten sich auf ihre Decke
gleich hinter einer Waldeshecke.
Da kam der böse Wolf heran
und fragt, ob mensch das machen kann,
dass sie sich hier mit Lust vergnügen.
Er müsse das Verhalten rügen.
Die beiden fanden es gemein.
Er trank von ihrem süßen Wein,
Er hat den Kuchen weggefressen.
Dann glotzte er noch wie besessen.
Zum Glück an diesem Maientag,
sagte der Jäger Guten Tag.
Der hat das böse Tier erschossen
und rief: "Den haben wir, Genossen!"
Dann fragt er zwinkernd wie ein Bär:
"Wie wär's, wenn ich der Dritte wär'?"
"Ein Dreier könnte mir gefallen!"
rief sie und ließ die Hüllen fallen.
Sie streckte sich dann richtig hin.
Beim Sex zu dritt war Pfeffer drin.
Sie haben sie zu zweit genommen.
Es ist ihr scheinbar gut bekommen.
Die Pornofilmer sahen zu,
sie drehten diesen Film im Nu.
Nur Rotkäppchen, das kam ins Schwitzen.
Es troff der Schweiss aus allen Ritzen.

An den Gott der Bürokratie
Gott, wir knieen vor dir nieder,der Du jetzt der Größte bist.
Deine Gänge starrren bieder,
Wartenhallen sind so trist.
Wenn Gesetze läuten Ruh,
schliesst Du deine Läden zu.
Doch wir ächzen im Geschäfte,
kontrolliert durch Kontorhefte.
Gott, wir knieen vor dir nieder,
der Du jetzt der Stärkste bist.
Draußen blüht erneut der Flieder.
Doch Du säst erfolgreich Zwist.
Wenn das Mitleid geht zur Ruh',
machst Du beide Augen zu.
Ausgelaugte ohne Säfte,
wünschten wir uns neue Kräfte.
Gott, wir knieen vor dir nieder,
der du stark und mächtig bist.
Ja, wir singen Lobeslieder,
denn du bist voll böser List.
Tropft das Blut auch aus dem Schuh,
schaust Du doch gelassen zu
und notierst in deine Hefte,
alles gründlich, was dich äffte.
An die Unendlichkeit
Ich liebe die Unendlichkeit,sie macht mir keine Qualen,
sie ist mir nah und ist mir fern
und nicht befasst mit Zahlen.
Ich liebe die Unendlichkeit,
sie kann so herzlich lachen.
Sie hat ein Herz unschlagbar weit,
liebt tausend kleine Sachen.
Im Äther spielt sie uns ihr Lied,
die ferne zarte Schöne,
ich fühle mich bei ihr so frei,
hör' gerne ihre Töne.
Sie kann so zart und lustvoll sein,
dass tausend Sterne strahlen,
und manchmal wünschte ich mit ihr
an Stränden mich zu aalen.
Ich weiß es ist ein schöner Traum,
aus dem kann nie was werden.
Sie ist unendlich wie der Raum,
doch schön in den Gebärden.
An die Verleumder
So schnell hat man die Typen satt.
Sie haben alle kein Gesicht.
Die meisten sind entsetzlich platt.
Die Narren merken's freilich nicht.
Sie wälzen sich in ihrem Licht.
Wie das bei jedem Angriff flieht
und Übles plant bis in die Nacht,
Nach Nied'rem lechzt und Kreise zieht,
Die andern mobbt bis es vollbracht
Und doch sich in die Hosen macht!
Schlagt ihnen einmal ins Gesicht,
dem ganzen miesen feigen Pack,
Von dem man nur im O-Ton spricht,
und schüttelt ihnen ihren Frack,
dann fällt er ab, der ganze Lack.
Ja schüttelt sie mit starker Wut
Und rüttelt sie wie Wirbelwind,
Dann merkt ihr gleich, es ist nur Brut.
Dann seht ihr wie sie wirklich sind:
Verlogen, falsch und auch noch blind.
An eine Rebellin
der Mut schon sinkt.
In tiefer Nacht, wenn dir nach dem Versagen
kein Traum gelingt.
Ich bin bei dir, wenn andre dich verlassen
so schnell wie Wind.
Ich steh dir bei, wenn sie nach dir schon fassen,
vor Hass fast blind.
Ich trage dich, wenn sie dich alle jagen,
du freies Wild.
Wenn sie nach dir in allen Häusern fragen,
mit deinem Bild.
Ich steh dir bei. Das muss ich nicht erst schwören.
Ich geh nicht fort.
Wir werden weiter treu der Welt gehören.
Darauf mein Wort.
Anstrengender Konjucktiv
Ach, ich seh' mit roter Mienenach den Reizen der Sabine.
Sie ist super und lasziv
und im Kopf auch subversiv.
Ihre Kurven und die Beine,
Beugeformen, die ich meine,
das ist alles attraktiv,
doch für mich nur konjunktiv.
Denn kein 'dürfte', 'könnte', 'sollte',
hilft bei dem was ich wohl wollte.
Nicht Passives, der Aktiv,
ist der Weg zum Konjucktiv.
Armer Poet
(nach dem Bild von Carl Spitzweg)
Arm bin ich und lieg' im Bette,
denn im Zimmer ist es kalt.
Doch ich schreibe hier Sonette
über Schmetterling und Wald.
Weil es regnet unterm Dache,
hängt gleich über mir ein Schirm.
Nun, ich bin ganz bei der Sache
und im Reich der Dichtung firm.
Halt' in meinem Mund die Feder,
schreibe heiter voller Scherz,
neben Büchern dick in Leder.
Heilig brennt mein Dichterherz.
Arm bin ich, es fehlt die Knete.
Besser geht es Hund' und Katz'.
An der Wand fehlt die Tapete.
Doch ich feile an dem Satz.
Spöttisch lachen viele Leute,
wenn sie mich Poeten sehn.
Nur das Geld bewegt die Meute,
wollen and'res nicht verstehn.
Ja, ich bin von seltner Sorte,
bin ein Fürst der Fantasie.
Nicht für Geld und gute Worte
wollt' ich einmal sein wie sie.
Ars Poetica
Am Leben, Lieben, Leiden
kann man sich so schön weiden.
Der Inbegriff vom Schreiben?
Die Themen einverleiben.
Asylbewerber
Eine Weile an der Nase herumgeführt.Von Polizeibütteln als unerwünscht deklariert.
Abgeschoben nach Folterland X deportiert.
Dort dann in der Folge einer Folter krepiert.
Atlantis ( Dix 1906)
Atlantis liegt im Delfter Meere,die Fische schwimmen drüber hin.
Ruinen nur und große Pflanzen,
und Stille auch und Hintersinn.
Auf dem Hoelz-Weg
Für Max Hoelz
im Zivilstand Klinkenputzer,
ging im Revoluzzerschritt
mit den Leninisten mit.
Und er schrie, ich revolüzze!
Und die Revolüzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.
Doch die Revoluzzer schritten
hinter Stalins Tross inmitten,
wo er einstens unverdrutzt
das Rebellen-Licht geputzt.
Sie von Stalin zu entfernen,
rupfte man die allzu Fernen
aus dem Russenvolke aus
zwecks des neuen Überbaus.
schrie: „Ich bin ein Leninnutzer,
und ein Putzer seines Lichts.
Bitte, bitte, tut mir nichts!"
Wenn wir in Sibirien sterben,
dann fällt Deutschland auch in Scherben.
Lasst uns bitte, ach, ich bitt'! -
Denn sonst mach' ich nicht mehr mit!“
Doch die Revoluzzer lachten,
bis sie aus ihm Kleinholz machten,
da er nicht nach Rußland fuhr,
zwecks der Russen Sache nur.
So ist er im Fluss verschieden.
Ist für immer tot geblieben,
hat auch nicht mehr revolüzzt,
denn es hätte nix genützt.
Auf dein Wohl, Alkohol!
Oh Alkohol, oh Alkohol,
so trinken wir dann
auf dein Wohl.
Und grunze ich schon wie ein Schwein,
dann kippe ich noch mehr hinein,
du Vaterland, magst ruhig sein.
Oh Alkohol, oh Alkohol,
mir dreht's im Kopf,
ich fühl mich wohl.
Ich stärke so die Industrie,
und bin das beste Stimmenvieh,
doch ohne ein Molle nie.
Oh Alkohol, oh Alkohol,
so trinken wir dann
auf dein Wohl!
Auf zum Lindenhof
Und wieder geht's zum Osterschwoof.
Wir fahren auf den Lindenhof,
Wo jetzt die Frühlingsblumen sprießen
Und Spatzen durch die Gegend schießen.
Im Lindenhof gibts Schnaps und Bier
Und Hunde rennen vor der Tür.
Die Vögel singen Bachkantaten
Und in den Beeten knirscht der Spaten.
Der kleine Prinz ist Chef vom Hof,
Sein Mackie-Hund nur guckt noch doof.
Die Bauern müssen wieder rackern.
Die meisten Frauen aber gackern.
Die Tochter schafft gestresst im Haus,
Doch manchmal will auch sie heraus.
Sie muss auf alle etwas wachen,
Damit sie keinen Blödsinn machen.
Aus Holland rückten Gäste an.
Mit Kinderscharen, Frau und Mann,
Mit Oma, Opa und Verwandten,
Die Ostern so bisher nicht kannten.
Der Schwiegersohn heizt bald den Grill,
ganz einfach, weil man es so will.
Das Töchterchen muss Zimmer putzen,
die dann die Gäste eifrig nutzen.
Los, Mutter, pack Geschenke ein,
und mach dich auch noch etwas fein.
Wir können uns ja nicht beklagen.
Der Frühling ruft seit ein paar Tagen.
PS: verfasst unter Mithilfe Dorotheas.
Auf zum scheuen Sale
Zuckern wir die Hüte,mahlen Henker Zeiten,
mit Rost an Stock und Tüte,
verwerfen Oberweiten.
Greife zwiebeln Schalen,
spaßig bremsen Bremsen.
Höllen mögen Qualen,
bockig zicken Gemsen.
Mit Geschwür im Magen
hämmern Zweifel Haie.
Lieder, die nicht klagen,
tanzen frei im Maie.
Enden wenden Hämmer.
Auf zum scheuen Sale.
Bee riechen Lämmer,
Aale aber Wale.
Zunge sucht am Grunde,
speichelnd dank der Flüsse,
marzipanisch runde
süße Schokoküsse.
PS: Nach Vorlage von Syranie verfasst:
Zum scheuen Sal
Jetzt zuckern wir den Hut
So henkert die Mahlzeit
Mit rostem Stock und Wut
Schnell wurfen ohne weit
Greifen zwiebeln Schalen
Doch es spaßen Bremsen
Magen höllen Qualen
Lieben bocken Gemsen
Mit geschwürtem Magen
Zweifel hammert Haie
Und liedern zum Klagen
Raus tanzen im Maie
Enden wenden Hammer
Auf jetzt zum scheuen Sal
Riechen maxen Strammer
Mit Blick auf wassern Fall
Spüre speicheln Flußes
Marzen pane mundet
Schokoladennusses

Ausländer
(nach einem anonymen
bundesweit geklebten Plakattext)
Dass dein Jesus ein Jude war,
das weiß man seit Caesars Zeiten.
Dein Auto ist in Japan gebaut.
Das wirst du wohl kaum bestreiten.
Die Pizza, die du gerne isst,
dein Rotwein, sind italienisch.
Die Demokratie, in der du lebst,
ist römisch oder hellenisch.
Dein Kaffee, den du so sehr liebst,
der schwarze, ist brasilianisch.
Und dass du bei Türken Urlaub machst,
das scheint dir selber nicht spanisch?
Arabisch schreibst du jede Zahl.
Und deine Schrift ist lateinisch.
Doch wenn dein Nachbar Ausländer ist,
dann wirst du mit dem nicht einig?

Ausverkauf Amerikas
Als wir erreichten Amerika,in Sachsen bei Penig gelegen,
da war es nur ein winziges Nest.
Das machte uns ziemlich verlegen.
Es war kaum mehr als die Spinnerei,
und die war für immer geschlossen.
Amerika stand zum Ausverkauf,
was sagt ihr nun dazu, Genossen?
Nach dem Spaziergang vom Trabi aus,
da hatten wir so ein Verlangen,
da haben wir auf dem Bahnhofplatz
wie im Western herumgehangen.
Als wir am Bahnhof Amerika,
nur wegen dem Zug noch verharrten,
da wiegten sich dort Margeriten schön,
als würden sie uns dort erwarten.
Es schnaufte die Lok vor Vergnügen.
Und wenn das Ganze nicht grossartig war,
so würden wir euch belügen.
Autobahnunfall
Autos sind zerbeult.
Eine Dame heult.
Fahrer bleiben stehn.
Warnsignale wehn.
Ausweisübergeben.
Sonst ist nichts zu machen.
Soll man drüber lachen?
Ein Beamter zeigt.
Ein Beamter schreibt.
Der Betroffne schweigt.
Hat es wohl vergeigt.
kann nur Unschuld schwören.
Augenpaare streifen,
Ohrenklappen stören.
Wann kann's weitergehn?
Wie man es auch dreht,
es ist eh zu spät.


