Hans-Georg Kaiser
Die unheimliche Stadt

Seit vielen Jahren steht dort ein Riesenrad
für eine Maifeier, die nicht mehr stattfand.
Die Stadt ist nicht verlassen, denn es wird dort noch heute gearbeitet. Allerdings mit wenigen Leuten, meist im Schichtwechsel von 14 Tagen.
Manche Einsätze dürfen Minuten nicht über- schreiten.
Es gibt keine Kinder in dieser unheimlichen Stadt, aber einen Kindergarten. In diesem Kindergarten ist die Zeit seit zwanzig Jahren
stehen geblieben. Es liegen dort zerbrochene Puppen und Gasmasken verstreut auf dem Fußboden. Die eisernen Betten sind leer.
Aber es treiben sich dort fotografierende Touristen aus aller Welt herum, die wenigen Gäste der Stadt, die sich noch in die Stadt wagen
und die sich dennoch vor ihr fürchten.
Wenn sie etwas essen wollen, müssen sie sich vorher die Hände, das Gesicht und die Haare waschen, um sich nicht zu gefährden. Sie dürfen sich nicht setzen. Sie haben Messgeräte in der Hand, die noch immer hohe Strahlungen anzeigen.
Sie kamen wegen etwas Monströsem, das dort, in einem gewaltigen Sarkophag eingeschlossen,
, noch immer lebt,etwas Schreckliches, etwas strahlend Aktives, das noch immer droht und - sogar tötet.