Hans-Georg Kaiser

Im Schnellzugtempo

In dem kleinen Naturreservat
gleich neben dem Dorfbahnhof,
verborgen hinter vielen Birken
und Büschen standen wir nervös
in unserem geheimen Liebesnest,
weit oben auf den Felsen.

Wir hatten schon die Decke ausgebreitet.
Die Sommerluft war warm und angenehm.
Ein klein wenig schämten wir uns noch.
Aber die Sonne lachte uns so aufmunternd zu,
dass wir alle Vorsicht schnell vergaßen.

Du hast ängstlich nach oben
auf den Weg geschaut,
dann nach unten zum Bahnhof
und der Bahnhofsbrücke.
Aber dort war niemand.
Nur die Bahnhofsuhr
und der leere Bahnsteig
sahen uns zu.

Deshalb küssten wir uns nun wie wild.
Du hast Dich mit geschlossenen Augen einfach
fallen gelassen, so dass ich Dich auffangen musste.
Ich zog dein schwarzes Unterhöschen aus und warf
es hastig beiseite. Ich sah die wilden roten Erdbeeren
neben dir. Dann begannen wir mit unserem Liebesspiel,
das ziemlich schnell vor sich gehen musste.
Du hattest den Kopf zur Seite gedreht.
Deine Augen waren noch immer fest geschlossen.
Du hast gestöhnt, schließlich laut aufgeschrien:
„Aah! Ooooh. Komm, komm!“

Da kam in diesem Moment tatsächlich
ein Schnellzug donnernd und ratternd
herangeflogen. Wie ein Pfeil jagte
der Zug unten vorbei.
Wir mussten beide hinterher
darüber lachen.

Als der Zug weg war, kleideten wir uns schnell an.
Ich rollte die braune Decke zusammmen.
Und du hast wieder ängstlich
auf den Pfad nach oben
und auf den Bahnhof
nach unten geschaut.
Aber da war auch dann niemand,
der uns beobachten konnte.

Dann hast Du dich
in meinem rechten Arm eingehängt
und sagtest mit einem träumerischen
enstpannten Lächeln: „Hmh, mein Lieber,
das war schön, mir hat es gefallen,
auch Dir?“ Wie sollte es mir nicht gefallen?

Dann kletterten wir hinunter
zu unserer Ente, dem roten Citroen,
und diskutierten auf der Rückfahrt,
ob uns jemand im Zug gesehen hat.
Nein, sicherlich nicht, versicherten
wir uns gegenseitig. Und wenn doch?
Dann wäre es uns das trotzdem
wert gewesen.