
Hans-Georg Kaiser
Guten Morgen,
du Schöne!
Guten Morgen, du stolze Schöne.
Gib mir, wenn es möglich ist,
einen ganz kleinen Kuss.
Lächle bitte wenigstens ein bisschen,
wenn das nicht eine zu große Forderung
an dich sein sollte, weil ich dein tobendes Herz
so gefühllos verwundete.
Guten Morgen, du Schöne.
Wie ein Engel der Rachsucht
hast du dein Messer aus
wilder Wut und Enttäuschung
in mein versteinertes Herz gestoßen.
Schau, wie ich leide deswegen!
Guten Morgen, meine Schöne.
Führe keinen Krieg mehr gegen mich.
Ich bitte dich auf Knien!
Ich hab die Lektion ja schon gelernt.
Ich habe den Friedensvertrag
doch schon unterschrieben.
Voller Reue akzeptiere ich,
dass auch ich nur ein Mensch bin
und kein strahlender Sonnengott,
wie ich voller Hochmut angenommmen hatte.
Guten Morgen, du stolze Schöne!
Ich öffne das rote Fenster für dich!
Sieh, der Sturm bläst herein,
die Möwen schreien!
He, du Schöne,
komm schon, steh endlich auf,
Fräulein „Rühr-mich-nicht-an!“
Wir haben Aufgaben zu erfüllen.
Kämpfen wir lieber zusammmen als
gegeneinander!
Für uns selbst,
stolze Schöne!
Und für alle anderen.