Hans-Georg Kaiser

His master's voice



Bei einem Spaziergang mit meiner Frau in Weimar
sah ich in der Schillerstrasse an einem Stand
eines Buchladens ein altes Reklameschild
aus Blech, das mir bekannt vorkam.

Es zeigt einen weißen Foxterrier,
der vor einem großen trichterförmigen
Megaphon eines Edison-Fonografen sitzt.
Wie der englischsprachige Titel des Bildes erklärt,
hört der Hund die Stimme seines Herren:
„His Master's Voice“.

Der Maler des bekannten Bildes ist Francis Barrauf,
der die Idee hatte das schwarze Megaphon
des Edison-Fonografen durch ein goldenes
Musikhorn zu ersetzen.
Er malte seinen eigenen Hund Nipper
und hatte mit dem Goldhorn letztendlich
den gewünschten Erfolg.
Barrauf wurde berühmt.
Von den Kopien, die er malte,
konnte er gut leben,
bis er 1895 starb.

Die Musikkompanie HMV nutzt das Bild als Label.
Und darum habe ich es schon auf Etiketten
von verschiedenen Schallplatten gesehen.
David Bowie nannte sogar eine seiner
Langspielplatten nach dem Bild.
Und auch ein Computerspiel
wurde so benannt.

Doch bereits in der Bibel ist  viel die Rede
von der Stimme des Herren,
die beispielsweise erklang,
als der Erzengel Gabriel mitteilte,
dass Maria, die Frau von Josef,
ein Kind mit dem Namen Jesus
haben würde.

Wer für wen Stimme sein soll,
ist ein Dauerthema für politische Streitereien.
Die deutsche Zeitung  „Junge Welt“
etwa behauptete,dass der ehemalige
italienische Präsident Berlusconi
die Stimme seines Herrn
Georg Bush in den USA sei.

Aber die Stimme des Herren
erklingt selbstverständlich nicht nur
in den USA oder im Sinne der USA,
sondern überall in der Welt.
Weil überall Herren existieren
und Untergebene, die aufmerksam
zuzuhören haben, wenn ihre Herren
ihnen etwas sagen.
Ob in China oder in Deutschland
oder irgendwo im Kosmos,
wenn ein Staatspräsident
mit viel Pomp anfragt,
wie es den Astronauten oder Kosmonauten
seines Landes im Raumschiff ergehe.
An diesem Prinzip hat sich seit den Zeiten
Edisons fast nichts geändert.

Auch jetzt noch sind Menschen
und Hunde zahlreich vorhanden,
die glauben, dass ihre Herren eine Art
unsichtbarer Götter seien, die man
anbeten müsse und denen man zu gehorchen
habe, damit sie sich nicht irgendwann
an einem rächen.

Die Stimme des Herren
hat weiterhin Fetischcharakter.