Hans-Georg Kaiser

Einsam bin ich nicht


Bin nie einsam, oft alleine,
ganz verlassen aber nicht.
Grüß die Welt im Sonnenscheine
früh im hellen Morgenlicht.

Einsam wär' ich ohne Freude
in der Masse im Geschrei,
denn ich bin nicht Teil der Meute,
bin in Haufen nie dabei.

Wäre ich auch ganz verlassen,
gäb' es trotzdem die Natur.
Wie soll Hass mich dort erfassen,
blüht die Sommerwiese nur?

Wenn die Schmetterlinge tanzen
unterm blauen Himmelszelt,
werd' ich wieder Teil des Ganzen,
seh mit Freundlichkeit die Welt.

Ohne Liebe kann ich leben.
Denn es gilt ja auch für mich:
Bei der Arbeit und beim Streben
finden alle Menschen sich.

Noch verlassen hinter Gittern
im Gefängnis unsrer Zeit,
kann ich doch den Frühling wittern,
halten Schwalben sich bereit.