HANS-GEORG KAISER
REIMGEDICHTE
P
- Pantha Rhei
- Pantherfrau
- Papagei Flint's
- Papperlapapp
- Paris
- Park im Frühlingsregen in Sahlis
- Park im Winter
- Pausen abgeschafft
- Platz an der Sonne
- Porno-Paul
Pantha Rhei
Komm nur herein,
du Kaffee mein,
in finstere Verliese.
Bald ist's vorbei
mit dem Geschrei,
das alles fließe.
PS: Panta Rhei (gr.) = Alles fließt. (Aber nicht in dem Sinn, dass alle Fliesen legen
.)
Pantherfrau
Grauer,
älter darfst du werden,
das
ist stets der Gang auf Erden.
Doch,
du Weib, werd' niemals alt,
sei
im Herzen niemals kalt.
Pantherfrauen können beissen,
einen Mann im Nu zerreißen.
Dafür bist du zu gerecht,
und du denkst auch niemals schlecht.
Doch bewahre dir dein Lachen.
Lass dich nicht zur Alten machen.
lauf auf Krücken aus dem Haus.
Pantherfrauen
werden älter.
Doch
im Herzen niemals kälter.
Wenn
du alt bist, dann wär's aus.
Krähen
flögen um das Haus.
Deine Stärke gilt's zu erben.
Pantherfrau, du gibst uns Halt,
jagst die Teufel aus dem Wald.
Papagei des Piraten Flint
Der Papagei des toten Flint,kreischt laut: "Piaster, Piaster!"
Die Schreie sind' s, die furchtbar sind,
es klingt wie: Her mit dem Zaster!
Das Tier ist viele Jahre alt,
es ist zu listig zum Sterben.
Es kennt viel Gräuel, viel Gewalt;
das soll den Charakter verderben.
Der Papagei ist klug und schlau.
Will nur bei Siegern leben.
Es finden sich stets neue Herrn,
die ihm von den Früchten geben.
Der Papagei kennt alle Welt,
viel mehr als ehrliche Leute.
"Piaster" schreit der dreiste Held
und lauert dabei auf Beute.
Der Papagei liebt Mord und Tod.
Er fürchtet nicht die Piraten.
Er ist ein Redner in der Not
und vollgepackt mit Zitaten.
Der Papagei ist sehr obszön.
Er kann wie Seeräuber fluchen.
Die Habgier hat er oft gesehn,
er weiß, was Piraten suchen.
"Piaster" schreit das böse Tier
des Silver mit schrillenTönen.
Es scheint, die Bestie triumphiert,
als würde sie uns verhöhnen.
Papperlapapp
"Papperlapapp“, sagt da der König
Und stört sich doch am Plappern wenig.
Kritik hat ihn noch nie gestört,
wenn er die Alte meckern hört.
„"Papperlapapp", sagt die Frau König
und stört sich doch am König wenig.
Es hat sie wohl noch nie gestört,
wenn er sich ganz umsonst empört.
Paris
Es ging eine Frau auf Reisen,
die lauthals den Eiffelturm pries.
Sie winkte noch auf den Gleisen
und kam in das ferne Paris.
Marie, die Paris verehrte,
die wollte bald nur noch zurück.
Denn was sie zu Hause verwehrte,
entriss ihr Paris Stück um Stück.
Paris schlug ihr böse Wunden.
Ihr Ende war tragisch und schwer.
Die Leiche hat man gefunden.
Doch ihr Zimmerchen war schon leer.
Park im Frühlingsregen in Sahlis
Die Sandstein-Venus ist geblieben,so wie der Freiherr für mich auch,
der sie in dem Gedicht beschrieben.
Ich bin im Park der Venus, rauch'.
Die Sandstein-Venus war nicht glücklich,
sie hob ihr Tuch so wie ein Kleid
wie frierend an bemooste Beine,
der Wind fuhr ihr durch' s Stirngeschmeid.
Wann war das? Ich will gar nicht rechnen.
Es war in einer and'ren Zeit.
Jedoch der gleiche Frühlingsregen,
die gleiche leise Traurigkeit.
Die Sandstein-Venus steht verlegen,
sie schaut mich gar nicht richtig an.
Das ist auch schwer mit einer Nase,
die als zertrümmert gelten kann.
Münchhausen war nicht nur ein Freiherr,
war Dichter ritterlichster Art,
er hat die Venusfrau beschrieben
und hat sie so für uns bewahrt.
Park im Winter
Der Park liegt da im weißen Kleid,im Flockentanz, es schneit und schneit
in kalter Luft in Fülle.
Von Eis und Schnee
bedeckt der See,
im Frost, in sanfter Stille.
Die Sonne strahlt im kurzen Halt,
wo Bäume stehn im Zauberwald,
der silbern blinkt und funkelt.
Von Weiß bedeckt,
im Glanz versteckt,
bis dann der Abend dunkelt.
Die Bäume seh'n wie Riesen aus.
Bis in den Himmel reicht ihr Haus,
wo sich der Mond befindet.
Im Abendlicht
mit viel Gewicht,
der Schnee, der bald entschwindet.
Dann ist der Park auf einmal leer,
kein Hund und keine Menschen mehr.
Nur Parkbewohner bleiben.
Die Sternennacht
die Staunen macht,
eröffnet jetzt ihr Treiben.
Pausen abgeschafft

Es sticht de Uhr, es hetzt die Zeit
in pausenloser Zeitenfalle,
ein abgehetzter Chaplin schreit
im Malstrom einer Zeituhrkralle.
Das Parlament setzt außer Kraft:
Die Pausen wurden abgeschafft!
Es sticht die Uhr, es hetzt die Zeit
in einem fort zu dem Skandale.
Die Zeitung sagt: Es ist soweit!
Ein Tango switscht ins Infernale.
Das Parlament bringt uns auf Trab,
es schafft jetzt bald auch Menschen ab.
Platz an der Sonne
Ein Plätzchen an der Sonne finden.
Man lässt auf dieses gern sich ein.
Beim Sonnenbad sich strecken, winden,
Das soll der grösste Glücksfall sein.
Man hört nicht auf es zu empfehlen,
und wenn wir uns zu Tode quälen.
Die Sonne macht uns alle gleich.
So kommt man in das Himmelreich.
Porno-Paul
Er ist brutal, weiß nicht warum,er findet Weiber ziemlich dumm.
Er sieht sich Pornohefte an,
damit er besser ficken kann.
Für ihn sind alle Nutten faul.
Er mag die mit dem großen Maul,
weil ständig ihm der Ständer steht
und er nach neuen Löchern späht.
Er hat 'ne Frau noch nie gefragt,
ob ihr sein Stil denn auch behagt.
Er mag Gewalt, liebt es obszön.
Er findet Sex mit Kindern schön.
Weil er ein geiler Vogel ist,
macht er in Thailand auf Tourist.
Kauft dort für Tage sich ein Weib
und tritt es in den Unterleib.
Er ist pervers, ein mieses Schwein,
bei ihm muss Frau die Sklavin sein.
Viel Liebe, so was mag er nicht.
Exotik mehr aus seiner Sicht.
Er stützt die Pornoindustrie.
Sorgt für Profit mit Garantie.
Die Pornovideos tun ihm gut,
besonders die mit sehr viel Blut.
Auf Arbeit ist er lieb und brav
und wirkt auf alle wie ein Schaf.
Doch Vorsicht beim Nachhausegeh'n,
Er soll des Nachts an Ecken stehn.