HANS-GEORG KAISER
REIMGEDICHTE
H
- Hajko duscht
- Hajkogeige
- Hajko im Frühling
- Hajko liebt Deutschland
- Haltestelle im Winter
- Heike und Hajko
- Helle war's, die Sonne dunkel
- Heil im Wollustfeuer
- Hund mit Dame
Hajko duscht
Hajko duscht sich ab.Pfeilschnelle Wasser werfen
sich zischend auf ihn.
Hajkogeige
Es kreischt die Geige,weil Hajko die Saiten kratzt.
Mit Ohrenschützern.
Hajko im Frühling
Ein Star singt und laut.Hajko, sehr ergriffen, lauscht,
Der Frühling ist da.
Hajko liebt Deutschland
Hajko liebt Deutschland,
denn da gibt's Ostereier
so heiter und bunt.
denn da gibt's Ostereier
so heiter und bunt.
Haltestelle im Winter
Frauen stehen da mit Einkaufstaschen,eine sieht die Werbung an.
Eine Sitzbank steht verlassen,
Linie 6 rückt schrill heran.
Pelze, Mützen und die dicken Jacken,
Sonne weg, der Fußsteig kalt.
Grau verschachtelt starren Platten,
man verflucht den Aufenthalt.
"Unser täglich Wasser" auf Plakaten,
nackter Mann, gesundes Kind.
Schwarzes H in gelber Säule
dazu Haltestellenwind.
Kahle Bäume auf der grauen Straße,
Lampen neigen stumm das Haupt.
Grimmer Frost befällt die Nase.
Lachen ist hier nicht erlaubt.
Heike und Hajko
Hajko liebt Heike,was die Heike sehr erfreut.
Heike liebt Hajko.
Helle war's, die Sonne dunkel!
(Umkehrung von "Finster war's, der Mond schien helle)
Helle war's, die Sonne dunkel,
grün bedeckt der Schnee im Feld,
als der Wanderer Karfunkel
langsam quer der Grade schnellt.
Außen standen sitzend Tiere,
laut in ein Geschweig vertieft,
als 'ne Ratte tot um viere
in dem Meere Rollschuh lief.
Und der Wandrer sank im Fluge,
vorwärts in ein Tal hinauf.
Unten hielt ein Dinojunge
später Armbanduhren auf.
Mittendrin dient hohes Reden
und in zuckersüßem Still
spielen in den Roten Beeten
Dromedare Damenspiel.
Oben auf 'nem weißen Platze,
der grün angestrichen ward,
stand ein Opa mit 'ner Glatze
schwarzgelockt im Jünglingsbart.
Unter ihm 'ne junge Schickse,
zählte an die hundert Jahr,
auf dem Fuss ne' Vollkornschnitte,
die mit Butter schwanger war.
In den Wurzeln in dem Baume,
wo die saure Birne steht,
hing des Winters erste Pflaume
nur die Kopfnuss ist verweht.
Auf dem staubig trocknem Pfade
fielen Tropfen nass durchs Tor
und der Opa warm im Bade
mächtig an die Ohren fror.
Beide Hände aus den Taschen
hielt die Augen auf der Knilch,
denn er konnte gut ertragen,
wie nach Kuhschwanz roch die Milch.
Und drei Wale stakten lange,
durch das schwarze Maisfeld hin,
bis der Mond an einer Stange
in der Mittagszeit erschien.
Dies Gedicht hier von Frau Kröte,
schrieb Frau Schiller mit der Flöte,
als sie auf 'nem Kochtopf sass,
und das Abendblatt vergass.
Heil im Wollustfeuer
Er sucht sein Heil, doch das wird teuer,
bei einem schönen Ungeheuer.
Was man real nennt, nennt er fad.
So bleibt für ihn nur der Spagat.
Ihn packt die Wut in seiner Kehle,
wohin floh bloss die schöne Seele?
Brennt in der Nacht ihm noch die Fackel?
Ist er am Ende nur ein Dackel?
Verwesung steigt ihm in die Nase,
er wirft vor Wut gar mit der Vase.
Dann haut er ab nach Feuerland
und stürzt sich dort vom Tellerrand.
Die weisse Maus, das höh're Wesen,
ersäufte er noch schnell am Tresen.
Er sucht sein Heil im Wollustfeuer
bei einem schönen Ungeheuer.
Hund mit Dame
bei einem schönen Ungeheuer.
Was man real nennt, nennt er fad.
So bleibt für ihn nur der Spagat.
Ihn packt die Wut in seiner Kehle,
wohin floh bloss die schöne Seele?
Brennt in der Nacht ihm noch die Fackel?
Ist er am Ende nur ein Dackel?
Verwesung steigt ihm in die Nase,
er wirft vor Wut gar mit der Vase.
Dann haut er ab nach Feuerland
und stürzt sich dort vom Tellerrand.
Die weisse Maus, das höh're Wesen,
ersäufte er noch schnell am Tresen.
Er sucht sein Heil im Wollustfeuer
bei einem schönen Ungeheuer.
Hund mit Dame
Hund mit Dame geht mit Halsband,
macht ein seltsames Gesicht,
wie die Dame an der Leine.
Doch das stört den Hund wohl nicht.