HANS-GEORG KAISER
REIMGEDICHTE
M
- Machiavellist oder Moralist sein?
- Machosprüche
- Mädchenträume
- Männerbeine
- Manchmal wär' ich gern bei dir
- Man ist so allein
- Mann und Frau
- Maskenmann
- Massenmörder
- Matrosenbraut
- Medien
- Meinen Glückwunsch zum Frauentag!
- Meine Zufriedenheit
- Menschlichhkeit
- Militärseelsorge
- Mittelpunkt Mensch
- Mozartgenuss
- Mozarts Zauberflöte
- Möchtegernkritiker
- Möwen
- Möwensehnsucht
- Musenterror
Machiavellist oder Moralist sein?
(N. Machiavelli)
Versuche es und sei nur gut.
So ziehst Du bald auf dich die Wut.
Nie stehn dir andre bei.
Die Masse pfeift auf die Moral,
hat sie nicht recht in ihrer Qual?
Macht je die Güte frei?
Versuche es und sei gemein.
Am Ende stehst du doch allein,
verirrst dich Stück um Stück.
Du pfeiffst zuerst auf die Moral
und dennoch bleibt dein Leben schal.
Bringt je das Böse Glück?
Versuche es und mach dich frei.
Ob gut ob bös', ganz einerlei,
falls man dich schließlich fängt.
Lass dich auf keinen Jubel ein,
denn Ruhmsucht ist ein Klotz am Bein,
wie sehr man dich auch drängt.
PS.:
Niccolo Machiavelli, ein florentinischer Poltiker und oft
missverstandener Schriftsteller, der von 1494-1527 lebte, Hauptwerk:
"Der Fürst".
Machosprüche
Eine mit Verstand und Busen?
Solche kannn kein Mann verknusen.
Auch wenn sie gut kochen kann
und den Teppich klopft wie'n Mann.
Brauchbar sind die blonden Dummen
und die untertänig stummen.
Alles and're ist gelogen.
An den Haaren hergezogen.
Hoch die Party Glamour-Frauen,
die im Bett sind reinste Sauen.
Doch das darfst du laut nicht sagen,
denn dann geht's dir an den Kragen.
Frauen sind ein großer Segen,
doch nicht jede kommt gelegen.
Die Frauen teilt man besser ein.
Sie sollten zweckgebunden dein.
Niemals wirst Du alles finden,
willst du EINE an dich binden.
Jede taugt ja nur zum Teil.
Trotzdem sind sie alle feil.
Eine kocht vielleicht recht gut.
Manche haben heißes Blut.
Diese hält das Haus im Reinen.
Jene lockt mit ihren Scheinen.
Kannst Du alle sie verbinden,
wirst du Glück und Reichtum finden.
Und du darfst es nie verschwitzen:
Eine Frau muss man(n) besitzen!
Mädchenträume
Mädchen sind stets gut erzogen.Zeigen ihre Wünsche nicht.
Darum wird so viel gelogen.
Und sogar noch im Gedicht.
Mädchen schielen hin zu Hosen,
tasten sich mit Blicken an.
Wären gern die zügellosen,
doch sie wagen sich nicht 'ran.
Daher lieben sie in Träumen,
wickeln dort die Männer ein.
Machen Sex in allen Räumen,
gar mit Hunden im Verein.
Mädchen lieben in Gedanken
eine ganze Kompanie,
die sich um die Schöne zanken,
doch das zeigen sie uns nie.
Mädchen spielen ihre Rollen,
so wie jenes sich gehört.
Und wenn sie mal wirklich wollen,
sind die Prüden gleich empört.
Mädchen wollen lieber schweigen
über Sex und Fantasie.
Feigenblätter darf man zeigen,
doch die Wahrheit sagen? Nie!
Darf ein Kind Perverses wollen,
fragt der Tugendfreund entsetzt.
Soll man dem Beachtung zollen?
Man(n) ist wieder mal entsetzt.
Was die Mädchen drüber denken,
ist den Knaben einerlei.
Wenn sie sich in sie versenken.
denken sie nicht viel dabei.
Männerbeine
Männerbeine, ganz alleine,auf Asphalt und über Steine.
Immer zwei, niemals drei,
rasen sie an dir vorbei.
Männner keuchen wie von Sinnen!
Sind's die Beine, die gewinnen?
Rennen durch, ganz allein.
Beine wollen Sieger sein.
Manchmal wär' ich gern bei dir
Manchmal wär' ich gern bei Dir,
klopfte höflich an die Tür,
du in Kleidern und dann ohne,
meine schrille Pop-Ikone.
Manchmal schliefe ich mit Dir,
unter dir auf dem Klavier,
mitten in der Eingangszone,
meine liebste Amazone.
Wäre ich ein großer Held,
der da schwimmt in seinem Geld,
würde ich dich einfach kaufen
und mit dir zusammen saufen.
Wäre ich der Hexer Mag,
hexte ich dich einfach weg,
um dich ganz allein zu haben
und mich so an dir zu schaben.
Manchmal wär' ich gern bei Dir,
klopfte fordernd an die Tür,
du in Kleidern und dann ohne,
meine schrille Popikone.
würden wir bestimmt ein Paar.
Doch das musst du gar nicht wissen,
deshalb schweige ich beflissen.
Man ist so allein
wird darum zu Stein,
hat die Liebe aufgegeben.
Was noch bleibt, ist kaltes Leben.
Viele trotten stumm
im Panoptikum.
Andere sind nur Gespenster,
sitzen stundenlang am Fenster.
Alte liegen krumm
nur im Bett herum.
Jemand, nach so vielen Dramen,
weiß kaum noch den eignen Namen.
Jene ist so leer,
träumt von gar nichts mehr,
Dieser bleibt im Grase liegen,
über ihm ein Heer von Fliegen.
Menschen sind wie Laub.
Staub wird wieder Staub.
Selbst wenn Engelschöre singen.
Niemand kann wohl Trost uns bringen.
Mann und Frau
Geht es um Frauenfragen,dann haben Männer nichts zu sagen.
Und sollten sie es wagen,
dann packt sie euch am Kragen.
Zu Recht, sie sollten lieber schweigen
und Frauen nicht die Zähne zeigen.
Was mischt ein Kerl sich immer ein,
muss denn ein Mann ein Klatschweib sein?
Sind Männer gar nicht mehr gelassen,
wenn Frauen sich mit sich befassen?
Ein Mann muss doch Verständnis zeigen.
Und kann er's nicht, dann hilft nur Schweigen.
Maskenmann
Kannst du meine Masken sehen,
diesen Goldstaub im Gesicht,
Larvenhäute schwarz wie Krähen,
Schauspielmasken grell im Licht?
Kannnst du mein Gesicht erkennen
in dem trübem Alltagsgrau?
Kannst du meinen Namen nennen
hinter Glanz und Maskenblau?
Siehst du die grotesken Züge,
wie ich lache in der Not,
die Erstarrung in der Lüge,
so als wäre ich schon tot?
Kannst du mich sogar durchschauen,
der Verzweiflung ins Gesicht?
Hinter Fratzen in das Grauen,
wenn die Schutzschicht mir zerbricht?
Massenmörder
Sie waren wirr? Fanatiker? Und blöd?Nur Psychopathen? Laut Gesinnung schnöd?
Nein, Durchschnitt waren sie, die ganz Normalen,
gefährlicher als die Vandalen.
Nur brave Bürger alle, ohne Schuld.
Mit viel Moral und großer Mordsgeduld.
Man schickte sie, um Feinde zu ermorden,
zu Massakern in großen Horden.
Stets war man fleißig und dabei korrekt,
bei jedem Völkermord, der einst bezweckt.
Wenn man die eig'nen von den andern teilte,
und sich brutal von Fremden 'heilte'.
So viele würden wieder Eichmannn sein.
So viele zwingt man in ein Joch hinein.
Es ist für Friedensfreunde kaum zu fassen,
wie sehr Eliten Frieden hassen.
Matrosenbraut
Matrosen mit neuen Hüten,
sind wir in Schenken gerannt,
die wir am Strande noch drüben,
hochwarfen, lachend im Sand.
Betrunken schwankten ziemlich
wir noch, doch nahe am Meer.
Die Mädchen klebten wie Kletten.
Der Hafen aber war leer.
Am Kai blieb ich dann stehen,
und fühlte mich wie ein Tor.
Suchte immer noch Beine,
die lugten aus Röcken hervor.
Dann schläfrig spät am Morgen
im Hafen, im hellen Licht,
sah eine ich dann wieder,
ganz nahe bei meinem Gesicht.
Nur einmal mit ihr gehen,
als ginge es nie mehr fort,
dahin wo Stürme nicht wehen,
wo Männer nicht fallen von Bord.
Ich fragte sie voll Wärme
und fror doch unter der Haut.
Bis wir verschmolzen verglühten,
ich und die Seemannsbraut.
Medien
Da sitzt das Weib im Bad herumund plantscht und blökt vor Publikum.
Ich fass' mir an den Kopf als Mann
und schüttle mich, so gut ich kann.
Ihr Muskelprotz, der grunzt und grient
mit Kindsgesicht, ich bin bedient.
Ich bin verdutzt und trotzdem froh,
denn Gottseidank bin ICH nicht so!
Ich weiche gleich die Dürre ein
und stelle ihr dann noch ein Bein!
Mit Gummi-Enten will ich spritzen,
bis Wasser tropft aus allen Ritzen!
Den Kerl beschiesse ich mit Schrot.
Man sieht es ja, er ist verroht.
Ich werde ihn im Bad versenken,
denn Pferdeköpfe soll man tränken.
PS:
Man führte den Verrückten ab.
Der sich vor Ekel übergab.
Er hat nun Zeit viel nachzudenken,
was jene sind, die Medien lenken.
Meinen Glückwunsch zum Internationalen Frauentag!
Ach, es treibt mich ein Gefühl,
ganz ohne Kalkül.
Zu eurem Tage
wünsch' ich euch Glück
im Rosengewühl!
Euch meine großes Kompliment,
die ihr Lasten kennt.
Ihr Weibervölker,
feiert kräftig,
liebt uns, lacht und schlemmt!
PS: — nach dem chinesischen Versmaß Zuihuayin (Trunkenheit im Schatten der Blumen) Versform: (7,5,545)x2 a,a,xxa
Meine Zufriedenheit
Ihr Leser, die Zufriedenheit,verlangt en wenig Glut.
Denn nur, wenn ihr zufrieden seid,
dann zirkuliert das Blut.
Dann lebt ihr in Vergnüglichkeit
und seid vom schlimmsten Neid befreit.
Man muss kein Narrenkönig sein,
der Geld und Reichtum häuft
und später dann in größter Pein
mit Schulden sich ersäuft.
Denn wer nur will und noch mehr will,
dem geht es wie der Ilsebill.
Wenn man die Welt als Welt kapiert,
ist sie noch angenehm,
man muss nicht dauernd kleinkariert
nur seinen Vorteil sehn.
Jetzt freuen Katze sich und Hund,
doch sind wir Menschen noch gesund?
Der Mensch, der Gott, er baut sich ein,
die Großstadt wird zur Pest,
man trinkt viel Bier jetzt im Verein
und gibt sich so den Rest.
Frau Nachtigall bleibt nun im Bett
und trällert nur im Internet.
Und doch, so lang' es Land noch gibt
und Sonnenöl und Mai,
solange wird die Welt geliebt,
ist es noch nicht vorbei.
Solange tötet Lust den Frust,
macht's euch im tiefen Wald bewusst.
Solange es das Meer noch gibt
und Fisch und Schwanz und Schnee,
solange nur ein Mensch noch liebt,
sagt niemand gleich adieu.
So lang die Frau im Busen fühlt,
er liebt mich, der sich an mir kühlt.
Menschlichkeit
wird Herzlichkeit schnell abgestumpft.
Man merkt nicht, dass man schnell versumpft
im kalten Kreis der eignen Zunft.
Wenn Dummheit über Wahrheit siegt
und auch der Kluge nur betrügt,
dann wird das Menschliche gerügt,
die Menschlichkeit - sie unterliegt.
Militärseelsorge
Der Pfarrer sprach:„Das mach ich nicht,
ich mach nicht solche Sachen,
verhöhne doch Christus, den Herren nicht.
Das könnt ihr mit mir nicht machen.
Wenn Jesus einst käm',
wie stünde ich da,
dann würde der Herr mich fragen:
'Sag mal, du Pfaffe, du schämst dich wohl nicht,
zum Krieg auch noch ja zu sagen?'
Mittelpunkt Mensch
Es steht der Mensch im Mittelpunkt.
Das wird behauptet und gefunkt.
So wollen wir das sehn.
Jedoch, dass er gefesselt steht,
vom Strichcode-Geist im Kopf verdreht,
das will man nicht verstehn.
Es steht der Mensch im Mittelpunkt,
das haben Tiere oft gebrummt.
Sie sagen es voll Graus.
Sie finden dass es besser wär',
es gäbe keine Menschen mehr.
Dann wär' das Schlachtfest aus.
Es steht der Mensch im Mittelpunkt,
drum wird die Welt voll Gift gepumpt.
Es leidet die Natur.
Ob sich die Menschheit noch besinnt,
bevor der Untergang gewinnt?
Da reicht kein Hoffen nur.
Mozartgenuss
Die Mozartkugeln nicht vergessen.
Und bitte Mozartschnitte essen.
Wenn dir das Waffelwerk nicht reicht,
dann sei dir Mozartspitz gereicht.
Willst du den Mozart wahrhaft leben,
darf's nicht nur Mozartkugeln geben.
Willst du den Mozart wirklich "Forte",
dann iss ihn auch als Mozarttorte.
Iss Mozartjoghurt mit Bedacht,
aus Nougat, Marzipan gemacht.
In Salzburg soll's den echten geben.
Mozart, Genie, hoch sollst du leben!
Die Mozartwurst in Geigenform
die schmeckt mit Mozartbier nach Norm.
Es darf auch Mozartreiswein sein;
man führt in jetzt aus Asien ein.
Willst du den Mozart wirklich ganz,
dann iss ihn auf im Weihnachtsglanz.
Hoch Amadeus! Du sollst leben,
als Weihnachtsmann, aus Salzburg eben.
Mozarts Zauberflöte
Drei Damen sich zu Mozart legten,die - Flöte blasend - ihn erregten.
Herr Mozart und die Zauberflöte,
die kamen bald in große Nöte.
Möchtegernkritiker
Sie reden Unsinn, weil sie gar nichts wissen.
vom Alltagsplattsinn sind sie ganz verbogen.
Mal sind sie giftig, mal verschämt verlogen.
In jedem Falle plappern sie gerissen.
Sie meckern, granteln, sind sehr ungezogen.
Sie wissen nichts von höflichem Benehmen.
Sie würden uns wohl auch das Leben nehmen.
Die Knilche sind ja keinem je gewogen.
Sie beißen sich gern fest an einer Kehle,
sind Mobbingpack und böse hintertrieben.
Sie loben uns, obwohl sie uns nicht lieben.
So herzlos sind sie in der schwarzen Seele.
Möwen
stundenlang in Scharen.
So, als wenn das gar nichts wäre,
seit Millionen Jahren.
Möwen fliegen hoch da oben,
folgen gern den Schiffen,
treiben, auch wenn Meere toben,
zwischen allen Riffen.
Möwen segeln längs der Küsten
und durch ferne Räume,
in Gedanken und Gelüsten
mir durch meine Träume.
Möwensehnsucht
(Für Christin)
Möwen tummeln sich im Himmel,
kreischen lauthals im Gewimmel,
geben in der Luft uns Zeichen,
die den Hieroglyphen gleichen.
Blauer Himmel, grüne Wellen,
Gischt an vielen Stellen.
Möwenschreie, scharfe Augen,
die zur Seefahrt taugen.
Selbstverloren gleich den Sternen
träumen wir vom Fernen.
Sehen Strände, Wind und Hügel.
Sehnsucht schlägt die Flügel.
Musenterror
Bevor Dich eine Muse küsst,
fragt sie wie kreativ Du bist.
Auch Musen wollen schließlich leben,
so ist da eben.
Wenn Du 'ne Schreibblockade hast,
dann bist Du bald bei ihr verhasst.
Dann fährt sie schnell Krallen aus
und flieht empört aus deinem Haus.
Wenn sie nach schwerem Kampfe siegt
und dich dann in die Finger kriegt,
dann quetscht sie dich Zitrone aus
und nimmt das Haus und wirft dich raus.
Wenn ich den Rat Dir geben kann,
dann lache dir Sirenen an;
die haben keinen Unterleib
und kreischen nicht: Nun aber schreib!